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Buchtipp: Almost Heaven – Johannes Herber

„Fast ein Jahr ist vergangen, seitdem ich meine Basketballkarriere beendet habe. […] Anfangs bin ich nicht zu Basketballspielen gegangen, und wenn zufällig eines im Fernsehen lief, habe ich so getan, als würde es mich nicht interessieren. […]“

So steht es im ersten Kapitel des Buches „Almost Heaven“. Und spätestens mit diesen Sätzen hat mich Johannes Herber eingefangen und ich habe seine Buch, seine Geschichte verschlungen.

Genau dieses Gefühl hatte ich als ich meine bescheidene Amateur-Fussballkarriere beendet hatte. Doch ich fang noch einmal von vorne an. Dennis ? Warum Basketball? Warum Johannes Herber?

Zugegeben ich habe eine Zeit gebraucht, um mich für Basketball zu interessieren. Zu Schulzeiten, also in grauer Vorzeit, mochte ich das Spiel. Ich mochte spielen. Genauso wie ich Handball mochte und in der Schule und im Sportunterricht gern gespielt habe.

Die Faszination Basketball anzuschauen, kam erst Jahre später.
Ich liebe Sport. Ich liebe Mannschaftssportarten. Und mein Sport war (und ist) Fussball. Ich erzähle Menschen gern von meinen drei Lebensbereichen: meiner Arbeit, meinem Privatleben beziehungsweise meiner Freizeit und dem dritten Lebensbereich: Fussball. Das löst häufig ungläubige Blicke und Schmunzeln aus. Und mein Chef beendet viele dieser Gespräche über Fussball mit dem Satz: Wie können Sie sich das nur alles merken?

Und mein Chef (sein Sport war und ist Basketball – sprecht Euren inneren Podolski-Noise ruhig aus!) hat mir dieses Buch geschenkt. Uns beide eint nicht nur unser Job. Wir haben beide ein Faible für die Faszination von Mannschaftssportarten und lesen Bücher.

In den Umschlag schrieb er mir die Sätze: „[…] ein interessantes Buch über Hochleistung, Teamplay und Sport. Bei diesen Themen fallen Sie mir als Erstes ein.“

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Darüber hab ich mich natürlich riesig und gefreut und war gespannt, was mich wohl in dem Buch erwartet.

Johannes „Joe“ Herber – oder „Hair Bear“ wie die Amerikaner sagen – ist heute 31 Jahre alt und hat vor zwei Jahren seine Basketballkarriere beendet. Er blickt zurück auf mehr als 13 Jahre Leistungssport, Trainer, Mitspieler, Teamchemie, Rückschläge und Emotionen.

„You were always one step ahead“

Mit 16 hat Joe die Chance in die NCAA, die amerikanische College-Basketball-Liga zu wechseln. John Beilein, der Trainer der West Virginia University Mountaineers  sucht „einen Jack-of-all-trades, wie er sagte – einen Hansdampf in allen Gassen“ und sieht ein Video von Joe.

„burn the ships!“

Damit beginnt das Abenteuer NCAA – „The Big Dance“ wie es in den USA heißt. In emotionalen und tollen Worten blickt er zurück und lässt seine Zeit in West Virginia für den Leser lebendig werden. Er erzählt von harter Arbeit im Training, dem golden Grundsatz im Mannschaftssport – der Teamchemie, seinen Mit- und Gegenspielern und nicht zuletzt der Begeisterung des Publikums.

Er schafft es nach anfänglichen Rückschlägen mit seinem Team  in die NCAA Elite Eight und er beschreibt das Gefühl des Sieges in so treffenden und fantastischen Worten:

„Nehmen Sie ihn [den Sieg] mit, setzen Sie ihn auf den Beifahrersitz. Aber Augen auf! Der Sieg ist ein Prolet. Lautstärke rauf, Fenster runter. […] Sie werden lange nicht einschlafen können. Am Morgen, wenn Sie die Augen öffnen, werden Sie nach ihm suchen. Aber dann wird er längst über alle Berge sein. Die ganze nächste Woche werden Sie nur an eines denken: den nächsten Sieg nach Hause holen.“

Eine bessere Beschreibung nach einem gewonnenen Spiel, einem erfolgreichen Wettkampf oder einer erfolgreichen Messe habe ich bisher noch nicht gelesen. Ganz großes Kino!

Nach vier Jahren in der Ferne kehrt Joe als Nationalspieler nach Deutschland zurück und schließt sich ALBA Berlin an.

Doch das Spiel ist hier ein anderes. Als Folge des Bosman-Urteils fällt zu Beginn der Nuller-Jahre die Ausländerbeschränkung. Die Liga wird von vielen ausländischen Spielern bevölkert und die meisten Teams spielen ein wildes und undiszipliniertes Spiel oder wie es sein Mitspieler Nenas Canak nannte:

„For me this is not basket.“

Joe wird bei ALBA durch mehrere Verletzungen, u.a. zwei Kreuzbandrisse zurück geworfen und von seinem Trainer zum Ersatzspieler degradiert.  Er beschreibt seine Gefühle als Berufssportler, der aber eben diesem Beruf nicht oder nur eingeschränkt nach gehen darf. Er erzählt von den verschiedenen Trainertypen und den Schmerzen, die ein Profisportler tagtäglich aushalten muss.

„The reason I choose Hansi? – He played hard und he played hurt, sagte Dirk Bauermann.“

Dieser Satz DES deutschen Basketballtrainers, Dirk Bauermann, über Hansi Gnad – ich möchte mal sagen: er ist eine Art Basketball-Matthäus – gibt einen ersten Hinweis, was die Profis (nicht nur) im Basketball alles aushalten. Für Joe gehört es zu seiner Identität mit gezerrten Muskeln, gerissenen Bändern, Fieber und Grippe aufs Feld zu gehen.  Den Grundsatz „work smarter, not harder!“ lernt er erst später.

Joe erzählt von den Begegnungen mit Fans, den Vereinswechseln, den Spielen mit der Nationalmannschaft. All die großen Namen des deutschen Basketball. Dimerel, Schultze, Garris, Femerling, Roller, Okulaja und natürlich Nowitzki.

Das Buch hat auf etwas mehr als 250 Seiten so viel und ist so dicht dran, am Sport, am Sportler. Ich möchte hier nicht alles verraten, aber ich habe es verschlungen und einige Abschnitte gleich zwei oder dreimal gelesen. Von mir also eine klare Kaufempfehlung!

Das Buch ist im berlin Verlag erschienen. kostet 19,99 € und kann z.B. bei amazon erworben werden (LINK).

Also viel Spaß beim Lesen, ich freu mich auf ein Feedback.

In diesem Sinne:
never mind the ballocks,
here’s Dennis

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