Autorentipp – Ronald Reng

Ronald Reng. Das beantwortet für mich in der Regel bereits alle Fragen, die ich zu einem Fussballbuch stelle. Ronald Reng.

Vielleicht denkt ihr: Ronald Reng? Wer soll das sein?

Ronald Reng ist (Fussball-)Journalist  und der Autor der für mich prägenden Fussballbücher „Der Traumhüter – die unglaubliche Geschichte eines Torwarts“ (LINK!) und „Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben“. (LINK!)

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Ronald Reng – Quelle: https://de-de.facebook.com/Spieltage

Beide Bücher haben mich zu Tränen gerührt. Der Traumhüter Lars Leese und seine Geschichte, in der ein Jugendtraum eines jeden Fussballers wahr wird. Von der Kreisliga in die englische Premier League. Alle Höhen und Tiefen und all die lesenswerten Anekdoten.

Die Motivation, die Fussballschuhe an den Nagel zu hängen. Das Hobby-Turnier im Westerwald. Amateurfussball in Deutschland. Die Begegnungen mit Christoph Daum bei Bayer Leverkusen. Der Wechsel nach England und sein erster Einsatz für den FC Barnsley. Die total verrückten Fans. Der vereinseigene Dichter. 20.000 Menschen, die „Laaaaars Leeeesssse! Tall as treeeees!“ rufen. Das Spiel seines Lebens. Die berüchtigten Weihnachtsfeiern. Anfield und der goose-bumps-football-chant „You’ll never walk alone!“ Und und und.

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Lars Leese – Quelle: https://www.facebook.com/Spieltage/photos_stream

Und eben auch der Typ Lars Leese, den ich 2002 bei einer Lesung treffen durfte. Sympathisch, authentisch, geerdet. Einfach klasse. Fünf von fünf Sternen.

Robert Enke. Auch ein Torhüter. Ein trauriges und viel zu schnelles Ende seines Lebens. Für mich bleibt dieser kalte November-Abend im Jahr 2009, nach dem Fussballtraining, als ich meine schmutzige und nasse Torhüter-Kluft auszog und mich und meine Mitspieler in der Umkleidekabine die Nachricht vom Freitod von Robert erreichte, wahrscheinlich ewig in meiner Erinnerung. „Das kann nicht sein! Und das darf nicht sein!“ waren meine ersten Gedanken. „Warum macht er das?“

Wenig später trat Teresa Enke vor die Presse und sprach von den Depressionen, unter den Robert jahrelang gelitten hatte. Der beste Torhüter Deutschlands, der vielen ein Vorbild, ein Held war, über den niemand ein böses Wort verlor, war so schwer erkrankt, dass er für sich keinen Ausweg mehr sah.

Nun, ich war selbst Torhüter (und zumindest tief in meinem Inneren bin ich es noch immer). Torhüter sein bedeutet anders sein. Torhüter sein bedeutet mit Verantwortung umzugehen. Torhüter sein bedeutet Spiele zu entscheiden (so oder so). Torhüter sein bedeutet Glück und Erfolg. Torhüter sein bedeutet eben auch manchmal traurig und hilflos zu sein.

Eduardo Galeano schrieb einst:

„Auf dem Rücken trägt er die Nummer eins. Der Erste beim Kassieren? Der Erste beim Bezahlen. Der Torwart hat immer Schuld.“

Mir hat der Fussball sehr viel gegeben und aus dem Torhüterspiel habe ich einiges gelernt. Zum Beispiel mit Fehlern umzugehen.

Aber ich kann mich auch in diese tiefe Traurigkeit von Robert hineinversetzen.

Ronald Reng ist es mit diesem Buch gelungen, die persönlichen Notizen von Robert und Teresa Enke genauso wie die vielen Erinnerungen und Erzählungen seiner Weggefährten zu einem fesselnden und emotionalen Buch zusammenzufassen. Es kommt wohl deutlich zum Tragen das Ronald Reng und Robert Enke seit einigen Jahren befreundet waren und der Autor den Menschen Robert Enke und seine Gefühlswelt kannte. So dicht und intensiv wie er kann wohl kaum jemand beschreiben, was Robert Enke erlebte und bewegte.

Es geht um Sport, um meinem Sport, mein Spiel und eben noch viel mehr. Das Buch erzählt die Geschichte eines Menschen, der an und in unserer Leistungsgesellschaft scheitert. Die Krankheit besiegt letztlich diesen wunderbaren Menschen.

Wahrscheinlich kommt jeder Mensch in seinem Leben an emotionale Grenzen. Er steht unter Druck. Er trifft falsche Entscheidungen. Ist traurig, wütend, verärgert.

Doch woraus lernen wir? Und wie können wir anderen in einer Krise helfen? Für mich gab dieses Buch viele Denkansätze und ich konnte zumindest akzeptieren, wenn auch nicht verstehen, warum Robert Enke für sich diesen Weg gewählt hat. Auch wenn eine gewisse Fassungslosigkeit auch nach fast fünf Jahren Teil meiner Gedanken ist.

Gar nicht so leicht, jetzt wieder die Kurve zu bekommen. In jedem Fall sind das zwei – mindestens für Fussballer – hoch emotionale Bücher von einem tollen Autor. Ganz klare Kaufempfehlung.

Und über das Fussballbuch des Jahres 2013 und Heinz Höher schreibe ich dann einfach beim nächsten Mal.

In diesem Sinne:
never mind the ballocks,
here’s Dennis

PS: Selbstverständlich gibt es beide Bücher auch als ganz hervorragende Hörbücher.

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